Monday, September 13, 2004

Babylon 5

Es steht immer die Frage im Raum, wieviel Zeit sollte man einem Film widmen, wenn man eine qualifizierte Meinung zu ihm abgeben möchte. Muss man ihn mehrfach gesehen haben? Muss man sich im Genre oder Ursprungsland des Films auskennen? Muss man stundenlang über einem Review brüten, um auch ja alle wichtigen Punkte sorgfältig abzuhandeln? Man muss nicht, aber man kann, dem Lesevergnügen ist es sicher nicht abträglich. Andererseits ist es unmöglich jede Meinungsäußerung genau abzuwägen und zu jedem Film ausufernd zu schreiben, wenn man nicht gerade dafür bezahlt wird. Ich bin meistens schon froh, wenn ich kurz nach dem Genuss eines Films in einem kurzen Paragraph meine Eindrücke schildere. An der Einschätzung von Filmen kann man sehr gut persönliche Entwicklungen festmachen. Selbst ein kurzer Text ist aussagekräftiger als eine einfache Bewertung wie bei der IMDb.

Ich mag Filme die ich nicht immer ganz verstehe, vorausgesetzt diese sprachliche Differenz ist vom Regisseur gewollt. In Blueberry werden Englisch, Französisch, Indianisch und einige andere Sprachen gemixt, um zu symbolisieren was für ein Schmelztiegel von Nationen der Wilde Westen gewesen ist. Überhaupt will der Film eine Menge symbolisieren, was einem besonders während der geschätzt 10-minütigen, gefühlt 100-minütigen Sequenz mit computeranimierten Schlangen, Insekten, Tunneln, Farben etc besonders bitter aufstößt. Scheint der Film am Anfang nur halb Sinn zu machen, nimmt dieses Verständnis erstaunlicherweise mit jeder Minute ab. Bis auf das babylonische Sprachenwirrwarr und die ein oder andere imposante Szene ist der "mythische Western" deutlich misslungen, da hat mir der in eine ähnliche Scharte schlagende Ravenous deutlich besser gefallen.

Eher auf Blade Runner Niveau was die Sprachenvielfalt angeht ist Code 46, Englisch ist die Hauptsprache, aber es gibt unzählige Lehnwörter aus diversen Sprachen, vornehmlich Chinesisch. Aber da enden die Ähnlichkeiten bei weitem noch nicht, sowohl was Atmosphäre als auch was Story angeht, gibt es unübersehbare Parallelen. Glücklicherweise sind die Filme auch nahezu gleich gut. Auf Details der Story möchte ich gar nicht genauer eingehen, ich wusste vorher nicht mal vom durchaus prominenten Hauptdarsteller. Der Film ist eine sehr schöne Erfahrung, je weniger man vorher weiss desto besser. Insgesamt fehlt es allerdings an Innovation und ein wenig am Budget um auf einem Level mit Blade Runner zu stehen.

Gar nicht so schlecht wie sein Ruf ist der Punisher. Insgesamt wohl der schlechteste Marvel Film den ich bisher gesehen habe, aber was heißt das schon. Die Kitschelemente will ich gar nicht wegdiskutieren, ich habe sie erwartet. Ich fand die Nebenstory mit den Nachbarn einfach großartig, da ich sie als Ersatz für endlose Flashbacks zu Erinnerungen an seine Familie sehe. Noch dazu sind es nette kleine Charaktere, die relativ wenig mit der Handlung zu tun haben, eher ungewöhnlich für einen Film dieser Machart. Auch die Actionszenen sind eher untypisch, auch wenn es schwer fällt zu sagen, was den Film jetzt genau von der Bruckheimer Schiene unterscheidet. Das größte Manko des Films ist, dass schlicht zu wenig passiert in Sachen Story. Das mag bei Rachefilmen so üblich sein, aber die Art und Weise wie im Hauptbogen von Punkt zu Punkt gesprungen wurde, nahm einen ein wenig aus dem Film heraus.

Wesentlich besser gefallen hat mir Nine Queens, ein argentinischer Con-Film. Es geht um Kriminelle, scheinbar wie es Roger Ebert in seinem Review so treffend formulierte. Ich verliere ungern Worte über Filme wie diesen, man sollte sie einfach gesehen haben. Der Gentleman schweigt und genießt.

Spartan ist ein sehr interessanter Film. Als bekennender Val Kilmer Fan hat mich der Film umso mehr beeindruckt, als ich ein langatmiges Hollywood Thrillerchen erwartet hatte. Aber nun weiss ich endlich wer David Mamet ist. Und verdammt, der Mensch hat es drauf. Scheinbar gibt es noch wesentlich bessere Filme von ihm, die ich mir sicher nicht entgehen lassen werde. Der Spartaner ist auf jeden Fall ein guter Einstieg, zumal ich von der politischen Komponente sehr angetan war.

Meine Gedanken kreisen weiter um Shaun of the Dead, Night Watch und Garage Days.


Saturday, September 11, 2004

Verschiedene

Wenig Zeit, viele Filme.

Joint Security Area: Mein liebster von den 3 Park Filmen, ich mag Filme mit politischer Tiefe. Die Story verlässt nie die Pfade der Realität, was dem Sehvergnügen zu Gute kommt. Einfach brilliant.

One Missed Call: Interessant für Miike Fans, aber insgesamt etwas zu uninspiriert. Beweist aber, dass Miike jederzeit auf den Asia Horrorzug mitaufspringen könnte, wenn er wollte. Immerhin schafft er es auch ohne gruslige Beleuchtung und mit eher geringem Musikeinsatz eine Grundspannung aufrecht zu erhalten. OMC wirkt viel realer als die Dark Waters, Kairos und Co, wenn man von den obligatorischen übernatürlichen Einflüssen absieht. Man könnte zwar auch auf OMC gewissen Interpretationsschemen anwenden, aber ich bezweifle, dass das im Sinne des Erfinders ist. Ein paar Szenen sind richtig gut, vor allem die Sache mit den TV-Leuten war sehr clever gemacht. Insgesamt aber eher nicht zu empfehlen, Miike hat besseres zustande gebracht.

Coffee & Cigarettes: Vielleicht war ich einfach nicht in der richtigen Stimmung, jedenfalls hat mich der Film bis auf die Molina/Coogan Episode und vielleicht das Stück mit Tom Waits und Iggy Pop eher gelangweilt. War alles ganz nett, aber im Gegensatz zu durchgängigen Dialogfilmen einfach zu oberflächlich.

Auto Focus: Ergäbe mit dem nächsten Film zusammen sicher ein nettes Double Feature. Ein Käfig voller Helden habe ich immer ähnlich gesehen, wie die ersten Reaktionen im Film dargestellt werden. Zu Schulzeiten gab es den einen oder anderen Fan der Serie, die schier endlos auf Kabel 1 vor sich hin rotiert. Von daher hat mich der Werdegang von Bob Crane eher weniger berührt, ich hatte keinen Bezug zur Person. Die Darstellung von Greg Kinnear und Willem Dafoe ist umso höher anzusehen, denn ihnen zuzusehen ist eine Freude. Abseits dessen lässt einen die Story zu weit außen vor, um irgendwas zu empfinden außer Verwunderung über diese merkwürdigen Gesellen.

Gettin The Man's Foot Outta Your Badaaasss: Oder so ähnlich. Selbst ohne den guten Mann zu kennen, der da porträtiert wird, oder einen der Filme dieser Ära gesehen zu haben, kann man nur mitgerissen werden von dieser wahrhaft inspirierenden Story eines angehenden schwarzen Filmemachers im Hollywood der frühen 70er. Man spürt in jeder Szene wieviel Herzblut in diesen Film gesteckt wurde, sowohl in dieses Biopic, als auch in das porträtierte Original. Der Film strotzt vor verrückten Ideen und Charakteren. Dass all das so oder so ähnlich tatsächlich passiert ist, hebt den Film noch weiter heraus. Noch dazu kommen die vielen handwerklichen Spielereien, die immer wieder eingestreut werden.

Delicatessen: Ich hatte gehofft, ich würde diesen Film mehr mögen. Aber im Vergleich zu Amelie oder der Stadt der verlorenen Kinder zieht Delicatessen klar den Kürzeren. Einzelne Szenen sind aber wirklich hervorragend, besonders wenn mit Sound gespielt wird.

One Point O: Komischerweise hat mich der fortwährende Low Budget Look enorm genervt. Die Story schrie förmlich nach einer spektakulären Auflösung, aber einen Twist sucht man hier vergeblich. Das ganze ist eher eine Art Cyber/Drogen-Krimi, die paar Science Fiction Elemente wirken aufgesetzt und deplatziert. Eine Erklärung für den Mix aus Retro (Scheibentelefone etc) und Moderne vermisst man, was vermuten lässt, dass der Look des Films wenig mit dem Inhalt zu tun hat. Auf der Schiene des Films gibt es besseres.

Als nächstes folgen Night Watch, Nine Queens, Spartan, Code 46, Blueberry und Shaun of the Dead.