Thursday, July 29, 2004

Himmel und Hölle

Zwischen diesen Extremen war ich die letzten Tage hin- und hergerissen. Zum einen musste ich mich durch eine wahrhafte Höllentour quälen, und das als jemand, der vielleicht zwei Tour de France Etappen verpasst hat. Nicht dass der Film eine totale Katastrophe wäre, das ist er nicht. Aber er geht eindeutig zu lange. Ein Dokumentarfilm von über zwei Stunden Länge muss einfach etwas weniger Wiederholungen bieten. Fakten und Bilder waren tadellos, aber warum man das Maß was vernünftigen Schnitt und Weglassen von Material nicht richtig schlagen konnte, bleibt mir ein Rätsel. Die Thematik ist einfach nicht spannend genug. Die größtenteils gefakete Soundspur tat ihr übriges.

Im Himmel befand ich mich dagegen, bei der nun vierten oder fünften Betrachtung der ersten Folge von Spaced. Dieses britische Serien-Kleinod ist ein Wunder in jeder Hinsicht. Humor, Charaktere, Schauspieler, Schnitt, Regie, Musik, Setdesign, alles nahezu perfekt. Keine Szene die nicht vor Innovation und Witz sprüht, die mit Kamera und Charakteren, mit Bild und mit Ton spielt. Und das alles wird noch kombiniert mit einem beständigen Bezug zu jedem denkbaren Teil der Popkultur, sei es moderne Kunst, Comics, Techno oder Star Wars. Wenn man ins Detail gehen würde, könnte man in Romanlänge über die Serie schreiben. Mit dem Erscheinen von Shaun of the Dead, dem ersten Feature Film der Spaced Erschaffer, wird Spaced auch ins Rampenlicht rücken. Eventuell gibt es ja sogar mal eine DVD mit allen vierzehn Folgen, welche ich dann kurzerhand zur besten DVD aller Zeiten ausrufen müsste.

Saturday, July 24, 2004

Vom Weihnachtsmann und sprechenden Motorrädern

Terry Zwigoff hasst die Menschheit. Die Geschichten, die sich um seinen ersten Film Crumb drehen, sind fast noch interessanter als sein Sujet, auch wenn das kaum vorstellbar scheint. Ghost World ist ein Film zum Träumen für Leute, die Menschen hassen. Es ist ein Geschenk, US Filme über Menschen zu sehen, die wirken, als ob sie echt sein könnten. Und das ausgerechnet bei einer Comic-Verfilmung. Ach, ich vergas das da unten... Bad Santa schlägt in einer ähnliche Scharte. Billy Bob Thornton ist eine ideale Besetzung, zumal er nach eigener Aussage selbst einen Großteil des Drehs besoffen war. Anders hätte er es wohl auch nicht mit Misanthrop Zwigoff ausgehalten.

Herausgekommen ist ein grandioser Weihnachtsfilm, der zwar blöd aber nicht doof ist. Die Art und Weise wie Zwigoff mit Musik und Kamera spielt, ist eine Freude für selbsternannte Cineasten. Die Gags ziehen fast alle, man wird blendend unterhalten. Mindestens genau so gut unterhält der Zeichentrick Kurzfilm La Vielle Dame et les Pigeons, die alte Dame und die Tauben. Das hypergeniale Erstlingswerk von Sylvain Chomet zeigt erst wirklich seinen Stil, wenn man zuvor nur Triplettes de Belleville kannte. Er zeigt die hässliche Seite in allem, in wunderhübschen Zeichnungen. Sein Humor ist grandios, und ich kenne keinen Zeichentrickkünstler, der so effortless Schönheit und Hässlichkeit, Traurigkeit und Witze zusammenbringt.

Ein Talent, dass Jack Black, Ben Stiller und Owen Wilson nicht haben. Zum Lachen bringen können sie einen aber, und zwar gehörig. Ihre Pilot-Folge zu Heat Vision and Jack ist ein Feuerwerk des schlechten Geschmacks. Die Einleitung von Ben Stiller allein ist schon das Eintrittsgeld wert. Ein Feuerwerk an Special Effects verkündet er, kurz bevor er ein Foto von George Lucas zerreißt. Two Thumbs Up. Schon nach der ersten richtigen Szene weiß man allerdings, in welche Richtung die Serie hätte gehen sollen: Trash Trash Trash. Das Trash Verlangen wird vollauf befriedigt, Jack Black als Astronaut, der zu nahe an die Sonne flog und seitdem bei Tage zu einem hyperintelligenten Genie wird, ruled jede Szene. Owen Wilson spricht das Motorrad, das in herrlich altmodischem Stop Motion animiert wurde. Die Dialoge sind extremst überdreht und sorgen immer wieder für Lacher. Auch wenn Story und Effekte schamlos aus den 50ern geklaut wurden, und sich die Knight Rider Parodie auf das sprechende Motorrad beschränkt, sollte man sich Heat Vision & Jack nicht entgehen lassen, wenn man die Chance dazu hat.

Friday, July 09, 2004

Die Rückkehr der Spinne

Oh Gott wie pathetisch, ein Glück hat man auf einen treffenden deutschen Untertitel verzichtet. Die in den USA angedachten Titel wie Spider-Man: No More waren ja schon starker Tobak, aber wenn ich daran denke, was deutsche Vertriebe sich als gerne für Titel aus den Fingern saugen... Apropos Deutschland. Warum laufen vor englischen Filmen eigentliche deutsche Werbung und Trailer? Und noch dazu welche von anno dazumal, diesen schmalzigen Polar Express Trailer kann ich jedenfalls nicht mehr sehen. Ebenso wenig wie diese grausige Werbung für Tortilla Chips und Dip, die mit der holprigen Straße und der Pulp Fiction Anspielung. Das peinlichste an der Werbung ist eindeutig der eingespielte Lacher aus der linken hinteren Box bei der Auflösung der "Pointe".

Als ob das alles noch nicht genug wäre, wurde auch schon wieder der grauslige Catwoman Trailer gezeigt. So sexy Halle Berry im Lederoutfit auch wirken mag, alles andere, was man von diesem Film sah, war furchtbar. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Warner gehörig auf die Schnauze fallen wird damit. Lichtblick war dann der neueste I, Robot Trailer, sogar auf englisch und in 2,35:1, sehr edel. Ich hatte nach dem eher mauen ersten Trailer alle weiteren gemieden und war extrem positiv überrascht. Sieht nun doch nach einem Film aus, der einen neuen Riff ins SciFi Action Genre bringen könnte, wenn auch in sehr trashiger Art und Weise.

Spider-Man 2 wurde übrigens auch noch gezeigt. Was ein Ritt! Ohne jetzt irgendwelche Spoiler zu äußern, was ich auch in Zukunft unterlassen oder deutlich kennzeichnen werde: Die Art wie Peter Parker in diesem neuen "Epos" dargestellt wird, ist schwer in Worte zu fassen. Aus Comicbuch-Helden werden schlagartig Charaktere, die neue Tiefe erlaubt eine viel größere Einbindung in das Geschehen auf der Leinwand. Die Action-Szenen sind mitreißend wie nie, und die Trailer haben glücklicherweise nur wenig verraten.

Alfred Molina ist eine Macht in diesem Film. Doc Ock wirkt viel realer als Willem Dafoes Green Goblin im ersten Teil. Auch wenn der Science Part extrem dämlich wirkte, schien die Metamorphose Sinn zu machen. Erfreulich waren auch die vielen amüsanten Szenen, auf die ich gar nicht näher eingehen möchte. Ohne sie würde die übertriebene Dramatik negativ ins Gewicht fallen.

Störend wirkte auf mich nur das antiklimaktische Ende. Das erinnerte mich an die von vielen geäußerte, und mir völlig unverständliche, Kritik an Return of the King. Nur der war wirklich das Ende einer Geschichte, so dass ich für jede weitere Sekunde dankbar war. Bei Spider-Man sieht die Sache anders aus, und so untergraben die letzten Szenen ein wenig den Eindruck, den man von den Charakteren in den vorangegangenen 4 Filmstunden gewinnen konnte. Aber ich gestehe den Machern den Vorteil des Zweifels zu, und hoffe, dass sie im dritten Teil noch mehr aus ihrem Material herausholen. Jetzt brauch ich nur noch X-Men 3...