Sunday, August 30, 2009

One week in Film

Inglorious Basterds

Ein glorreicher Start in die Woche. Und ein überraschender noch dazu. Dass Tarantino einen Film dreht, der zu unter 50% aus englischen Dialogen besteht, hatte ich wahrlich nicht erwartet. Natürlich war der Film außerordentlich gut. Was kann hier auch schief gehen.

Gewiss, ein wenig ernsthafter hätte es bisweilen zugehen können, aber das hatte QT wohl nicht im Sinn. Einzig die Figur des Hans Landa brachte Tiefgang in die doch recht flache Geschichte. Eine beeindruckende Performance. So bleibt der Film vor allem eines: unterhaltsam.

Magnum Force

Der zweite Film der Dirty Harry Reihe fühlt sich doch deutlich selbst bewusster an, als der erste. Clint Eastwood fühlt sich zuhause in dem Charakter und wirkt deutlich authentischer. Ein sehr kurzweiliger 70er Jahre Actionstreifen, zu dem die Making Ofs (eins aus den 70ern, eins Mitte der 2000er) das nötige Hintergrundwissen vermitteln. Was den Film nur noch besser macht. So leicht durchschaubar die Handlung sein mag, so spannend ist es, die Figuren ihren Weg gehen zu sehen. Ich bin gespannt auf die weiteren Dirty Harrys, The Enforcer liegt bereits griffbereit.

Prime Time

Der Auftakt des Fantasy Filmfest 2009 lief für mich eher enttäuschend. So interessant die Grundidee hinter Prime Time so fade die Umsetzung. Klischeecharaktere, die sich anderthalb Stunden lang in einem einzigen futuristischen Set aneinander reiben, hat Cube schon wesentlich besser hinbekommen. Schnell kommt einem auch Battle Royale in den Sinn, oder The Game, oder Running Man. Das Genre hat viele Ausprägungen, und die meisten besser als dieser triste spanische Möchtegern-Schocker. Einzig den unsäglichen Series 9 schafft es der Film zu übertreffen.

Metropolis

Für den Abend verließen wir den Cinedome um erstmals der Kölner Philharmonie einen Besuch abzustatten. Hier sollte ich das erste Mal Metropolis sehen, in der Version der F.W. Murnau Stiftung von 2002. Mit Liveorchester. Was ein Kontrast zum Fantasy Filmfest, was Setting und Publikum anbelangt. Damen im Abenddress, Männer im Anzug samt Fliege. Wohl eher das klassische Philharmonie-Publikum. Reichlich verloren ließen wir uns auf den starren, schlecht gepolsterten Sitzen nieder. Das Auditorium ist beeindruckend, das Fotographieverbot nicht so ganz nachvollziehbar. Die erste Hälfte des Films war äußerst anstrengend, was wohl meinem Unterbewusstsein recht gab, dass sich seit Jahren um diesen Film drückt. Doch nach der Pause nahm der Film Fahrt auf, die zweite Halbzeit verging wie im Fluge. Mit dem Orchester war ich nicht ganz so zufrieden. Solide Arbeit, keine Frage, aber wenn schon live, dann hätte ich auch ein paar Experimente erwartet, statt simplem Nachspielen der Vorlagen. Verschenkte Chance, interessanter Film, faszinierendes Ambiente.

Tenderness

Als wenig fantasiereich entpuppte sich dieser Russell Crowe Film, der offenbar seit über einem Jahr in Hollywoods Regalen verstaubt. Und ich verstehe warum. Rund 2/3 des Films ziehen ihre zweifelhafte Spannung aus der Tatsache, dass der Drehbuchautor dem Zuschauer bewusst Informationen vorenthält, die sich letztlich alle als völlig banal herausstellen. Was ein Memento in ein geniales Stilmittel verpackt, sorgt hier nur für Frustration. Stilistisch ist der Film irgendwo zwischen No Country for Old Men und Gone Baby Gone verortet, ohne auch nur ansatzweise die Klasse der beiden Filme zu erreichen. Crowe ist übrigens nicht der Hauptdarsteller, sondern spielt eine eher unwichtige Nebenrolle. Drei Tage später weiss ich nicht mal mehr wie der Film ausging. Nett, aber nicht empfehlenswert.


District 9

Für den nächsten Film hieß es erstmal ordentlich Schlange stehen. District 9, ausverkauft. Der Hype um den Film hat die deutschen Geeks seit ein paar Wochen fest im Griff, kaum einer ließ sich die Chance entgehen, den Film ein paar Wochen vor Release zu sehen. Vorbereitet war ich durch ausgiebige AICN Coverage und den Kurzfilm Alive in Joburg, der mir sehr gut gefallen hat. Ich wusste bereits, dass der Film seinen Mockumentary Stil nicht durchhalten würde, war aber letztlich doch etwas enttäuscht, dass der Film stattdessen in eher klassische Actionmuster verfiel.

Die Grundidee ist grandios, keine Frage. Man sieht dem Film sein niedriges Budget nicht an, der Hauptdarsteller ist gut, es gibt Spannung, Überraschungen, Schockmomente. Aber alles in allem hatte ich mir mehr Kopfnahrung erhofft. Die Rassismus-Komponente wird in breiten Pinselstrichen gezeichnet mit wenig Raum für Subtilität. Ich bin ähnlich enttäuscht wie annodazumal von Independence Day, den ich nach der ersten Frustration sehr zu schätzen gelernt habe. Ich vermute District 9 wird bei mir ähnlich reifen.

Black Dynamite

Mitternachtsfilme bei Festivals genießen ja einen ganz speziellen Ruf, und mit meinem Erstling hab ich direkt ins Schwarze getroffen. Black Dynamite ist ein unfassbar unterhaltsamer Film, der wohl erst in einem derart offenen Publikum seine volle Güte entfalten kann. Blaxploitation kenne ich quasi nur aus Reminiszenzen wie Undercover Brother, dem 90er Shaft oder dem großartigen How to Get the Man's Foot Outta Your Ass von Mario van Peebles. Diverse AICN Kritiken bestätigen aber meinen Eindruck, dass der Film sehr wohl ernstzunehmen ist, und das Genre einfach so over-the-top angelegt ist. Gewiss, viele Details sind mir entgangen, wie die offenbar bewusst schlechte technische Umsetzung des Films, von der mir nur das starke Rauschen auffiel. Aber selbst mit mangelhaftem Hintergrundwissen kann man Black Dynamite in vollen Zügen genießen.

Thirst

Chan-Wook Parks JSA zählt zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Die DVD habe ich so oft verliehen, dass ich nicht mehr weiss, wer sie letztlich behalten hat. Nach Oldboy habe ich erstmal zwei Filme ausgelassen, die ich noch dringend nachholen muss. Thirst war glücklicherweise ähnlich faszinierend wie Parks erste drei Werke, und nicht wie befürchtet ein Actionslasher. Die ruhige Art des Films und tiefgehend gezeichneten Charaktere fesseln die vollen zwei Stunden, auch wenn dem Film ein wenig Kürzung gut gestanden hätte. Vampirfilme kenne ich eigentlich nur aus den letzten 20 Jahren, kann also kaum ein abschließendes Urteil über den Platz von Thirst im Kanon abgeben. Am ehesten erinnert hat er mich an Werner Herzogs Nosferatu, der trotz spektakulärer Einzelszenen doch eher interessant war, an einer melodramatischen, nachdenklichen Stimmung, mit Raum für Charakterentwicklung. Auch wenn die Wege der beiden Hauptakteure eher entgegengesetzt verlaufen zu Nosferatu, so bietet die Grundstimmung doch eine ganz ähnliche Fläche für Gedankenprojektionen. Wer seine Vampirfilme gerne auch mal etwas ruhiger mag, darf gerne zugreifen. Was nicht heißen soll, dass das Blut hier nicht kübelweise fließt.

Moon

Natürlich ausverkauft. Offenbar bekommt Moon in Deutschland die tolle Spezialbehandlung einer Direct-to-DVD Veröffentlichung, was eine Schande ist. So sehr ich doch ein paar Probleme mit Moon hatte, so schade ist es, dass einem solchen Film das große Publikum verwehrt bleiben soll. Wenn selbst ein Sunshine in Hellraiser-ähnliches Territorium zurückfällt, ist Moon einfach nur erfrischend zu nennen. Ganz ohne Schockmomente schafft es der Film, eine anregende Science-Fiction-Geschichte zu erzählen, und das bei offenbar sehr niedrigem Budget. Die Art und Weise ist mutig, schließlich gibt es nur ein angedeutetes Happy End, und noch dazu den Tod der Hauptfigur. Keine Weltraumschlachten, keine greifbaren Bösewichter, kein bisschen Space Opera weit und breit. Dafür muss man dem Film salutieren, der seine rund anderthalb Stunden Laufzeit wie im Fluge vergehen lässt. Wie auch bei District 9 störte mich auch hier die Begrenzheit der Handlung. Die zugrundeliegende Welt wird nur am Anfang und am Ende angedeutet. Wie gerne ich mehr von dieser Welt gesehen hätte.

Labels: ,